Übers Morgen nachdenken und im Jetzt wirken

2. Juni 2025 von Isabelle Goller
Zukunft passiert nicht einfach – wir gestalten sie mit. Doch um das bewusst tun zu können, müssen wir lernen, mit der Idee von Zukunft umzugehen. Futures Literacy, wie sie von der UNESCO definiert wird, ist genau das: die Fähigkeit, Zukünfte zu imaginieren, um im Heute klüger, reflektierter und resilienter handeln zu können. Bei Estuar setzen wir Futures Literacy gezielt in Workshops, Innovationsprozessen und strategischer Arbeit ein – nicht als Weltrettungs-Vision, sondern als praktisches Werkzeug, das Klarheit schafft, kreative Impulse gibt und Entscheidungen fundierter macht.

Was bedeutet Futures Literacy?

Futures Literacy ist mehr als Trendforschung oder Szenariotechnik. Es geht darum, sich bewusst mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Zukunft auseinanderzusetzen – und dabei auch eigene Denk- und Deutungsmuster zu hinterfragen.

Anstatt die Zukunft vorherzusagen, lädt Futures Literacy dazu ein, Annahmen sichtbar zu machen, Alternativen zuzulassen und Handlungsräume zu erweitern. Es ist eine Denkhaltung, die Offenheit fördert und Unsicherheit als fruchtbaren Boden für neue Ideen begreift.

Wie wir mit Futures Literacy arbeiten

Bei Estuar nutzen wir Futures Literacy nicht als Buzzword, sondern als systemisch eingebettete Praxis. In unseren Formaten – insbesondere den Zukünfte-Laboren – erkunden wir mit Teams und Organisationen mögliche Zukünfte in vier Schritten:

  1. Reveal – wir decken auf, wie aktuell über die Zukunft gedacht wird
  2. Reframe – wir hinterfragen Annahmen und Logiken
  3. Rethink – wir entwerfen neue, alternative Zukunftsbilder
  4. Redo (optional) – wir entwickeln konkrete nächste Schritte und Prototypen

Diese Prozesse setzen neue Denkbewegungen in Gang – sie machen Mut und eröffnen neue Handlungsspielräume.

Wofür ist Futures Literacy gut?

Futures Literacy ist kein Selbstzweck. In einer Welt voller Umbrüche – von Klimakrise über Digitalisierung bis zu gesellschaftlichen Spannungen – brauchen wir Resonanzräume, in denen Denken über Zukünfte möglich ist.

Wir setzen Futures Literacy ein, um:
  • Strategien robuster und anpassungsfähiger zu machen
  • Innovationsprozesse mit Sinn zu füllen
  • Komplexe Fragen aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten
  • Menschen zu befähigen, Unsicherheit produktiv zu nutzen

Kurz gesagt: Futures Literacy stärkt kulturelle Wandlungsfähigkeit – individuell wie organisatorisch.

Projekt FUTURA: Zukünfte gemeinsam erzählen

Ein Beispiel für angewandte Futures Literacy ist FUTURA – die gute Amöbe, ein von Estuar initiiertes Projekt. Gemeinsam mit über 50 Beitragenden aus Vorarlberg und darüber hinaus wurden wünschenswerte Zukünfte gesammelt, erzählt und visualisiert.

Diese vielfältigen Szenarien dienen als Impulsgeber, als Werkzeug für Beteiligung und als Einladung, über das Gewohnte hinauszudenken. Das Projekt zeigt: Wenn viele Menschen ihre Zukunftsbilder teilen, entsteht eine kollektive Vorstellungskraft – bunt, widersprüchlich und inspirierend.

Warum das zu Estuar passt

Als Studio für Gestaltung, Prozess und Haltung arbeiten wir mit Menschen, Themen und Organisationen, die neugierig auf Zukunft sind – aber nicht auf einfache Antworten. Futures Literacy fügt sich nahtlos in unsere Praxis ein: Systemisch denken, kreativ gestalten, gemeinsam lernen.

Wir glauben: Zukunft ist kein Zielpunkt. Sie ist ein Denkraum. Und je mehr Menschen diesen Raum betreten, desto lebendiger wird unsere Gegenwart.