Wie gelingt es, Fragen des gesellsch. Zusammenhalts für Menschen anderer Fachgebiete zu erschließen?
„Die Dialogreiche war ein wunderbares Format in unserem Jubiläumsjahr „100 Jahre Caritas Vorarlberg“. Im Kern ging es um das Verstehen, was die großen Treiber der aktuellen gesellschaftlichen Veränderung (Digitalisierung, Verknappung ökologischer Ressourcen, Fachkräftemangel etc.) für die Caritas und für andere Akteur*innen bedeuten. Neben den inhaltlichen Entdeckungen waren es vor allem die neu geknüpften Beziehungen in Unternehmen und Forschungseinrichtungen und zu diversen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die bei uns nachwirken.“
Eingesetzte Werkzeuge
Für den Findungsprozess einer künftigen Rolle der Caritas in dieser heutigen Welt brauchte es eine Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft. Die Caritas Vorarlberg nahm ihr 100-jährigen Jubiläums zum Anlass, sich mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen über Sichtweisen zu Gesellschaft und Veränderungsdynamiken im sozialen Miteinander auszutauschen.
Estuar hat eine Dialogreihe entlang der strategischen Entwicklungsthemen der Caritas konzipiert, zu jedem Dialogforum wurden gezielt Akteur:innen und Wissensträger:innen zum jeweiligen Thema eingeladen. Das Ziel: Austausch, Netzwerk-Ausbau für die Caritas und das systematische Sammeln „sachdienlicher Hinweise“ für eine veränderte, zukunftsfähige Rolle der Caritas – um diese in weiterer Folge für die Beantwortung folgender Fragen nutzbar zu machen:
– Wofür braucht es die Caritas heute, wofür nicht mehr?
– Welche neuen Felder oder Herausforderungen zeigen sich und suchen noch nach Antworten?
Erwünschte Wirkungen der Dialogreihe waren dabei:
- miteinander in Beziehung zu treten, über die Organisationsgrenezn und die eigene Fachlichkeit hinaus,
- die Vielfalt der Perspektiven der Teilnehmer:innen wahrnehmen,
- Bewusstsein schaffen für gesellschaftlichen Zusammenhalt bei den Teilnehmer:innen,
- Erkenntnisse gewinnen, was wichtig ist für gesellschaftlichen Zusammenhalt,
- Erkenntnisse gewinnen, was das Verbindende zwischen Caritas und den Dialog-Teilnehmer:innen ist und in Folge einen gemeinsamen Nenner / gemeinsame Ambitionen für die Förderung von gesellschaftlichem Zusammenhalt identifizieren,
- Formen des Miteinanders entwickeln.
Im Jahr des 100-Jahre-Caritas-Vorarlberg-Jubiläum fanden im Zeitraum von 18.1.2024 bis 21.3.2024 fünf Dialogveranstaltungen statt, die von Estuar gemeinsam mit Mitarbeiter:innen der Caritas begleitet und moderiert wurden. Die Mitarbeiter:innen konnten sich dafür bei Interesse melden und erhielten im Vorfeld eine Schulung durch Estuar. So wurde bei der Caritas Dialog-Kompetenz entwickelt.
Neben extern Eingeladenen waren bei allen Dialogen auch Caritas Mitarbeiter:innen Teilnehmer:innen und erhielten neue Perspektiven der externen Teilnehmenden auf die eigenen Themen.
Formal bestand jede Dialogveranstaltung aus einer kollektiven Fragen-Findung basierend auf der in der Einladung genannten Frage – damit alle Dialog-Teilnehmer:innen sich im nachfolgenden Dialog zu einer für sie relevanten Frage austauschen konnten – zur Fragen-Findung nutzten wir einen spielerischen Zugang. In der jeweils ersten Dialogrunde suchte nach Zusammenhängen zwischen gesellschaftlichem Zusammenhalt und der jeweilige Frage und war den verschiedenen Perspektiven zur Frage gewidmet, die jeweils zweite Dialogrunde hieß „Ins Tun kommen“ und hatte zum Ziel eine verändertem Selbstverständnis der Eingeladenen in Bezug auf gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewirken oder auch Kooperationsfelder mit der Caritas zu finden.
Die Themen der Dialogforen:
DIGITALISIERUNG: Wie können wir die Potenziale der Digitalisierung nutzen, um positive soziale Veränderungen zu bewirken? Und mit welchen Schattenseiten der Digitalisierung bekommen wir es zu tun?
ÖKOLOGISCHE NACHHALTIGKEIT: Wie gelingt es uns, dass die Klimakrise die Gesellschaft nicht spaltet, sondern faire und verbindende Lösungen gefunden werden?
EMPLOYER BRANDING: Wenn sich die Unternehmen neu mit den Bedürfnissen der Menschen auseinandersetzen müssen, um am als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben – welches Potential steckt darin für das Soziale in unserem Land?
GLOBALE SOLIDARITÄT: In unserem „global village“ enden die Fragen des Miteinanders nicht mehr an den Landesgrenzen. Welche Ansatzpunkte für eine Stärkung der globalen Solidarität haben wir und sollten gemeinsam forciert werden?
SOZIALER ZUSAMMENHALT IN EINER INKLUSIVEN GESELLSCHAFT: Was hilft uns auf dem Weg hin zu einer Gesellschaft, in der für jeden Menschen soziale Sicherheit und die Entfaltung ihrer*seiner Potenziale möglich sind?
ERGEBNIS:
Die Dialoge waren (mit einer Ausnahme) sehr gut besucht, lebendig und erzeugten viel positive Resonanz. Für die Caritas bekamen Themen erweiterte Bedeutung und es entstanden neue wertvolle Verbindungen und Inputs zur eigenen Rolle. Viele externe Teilnehmer:innen gaben an, bis zum Dialog ihr eigenen Fachgebiet noch nicht bewusst mit gesellschaftlichem Zusammenhalt „zusammengedacht“ zu haben, dies aber als sehr inspirierend und sinnvoll zu empfinden.